Indien-Reise

Ein Reisebericht über zwei Wochen im Bus mit mit Pater Vijay und einer Reisegruppe der Kirchengemeinde durch verschiedene Regionen Indiens.

Indien - ein Land grenzenloser Vielfalt und großer Kontraste

Wenn wir an eine Reise einer Kirchengemeinde denken, kommt uns vieles in den Sinn - aber meist sind es nicht die Bilder, die die Reise einer Gruppe von Gemeindemitgliedern aus Kronberg, Königstein und Glashütten prägten. Glitzernd, bunt, exotisch, vielfältig und facettenreich stellte sich auf der von Pater Vijay Kumar Rajulaparimellu zusammengestellten Reise dessen Heimatland dar. Dabei trafen die Teilnehmer auf große Gastfreundlichkeit, aber auch auf ein Land, dessen Wirtschafts-leistung sichtbar wächst und in dem sich Tradition und Moderne kontrastreich begegnen.

Am frühen Morgen gestartet, traf sich am 14. Januar 2026 die Reisegruppe mit 19 Mitgliedern, darunter auch Pater Vijay selbst, zum Flug nach Abu Dhabi mit Weiterflug nach Jaipur am Frankfurter Flughafen. Tief in der Nacht wurde die Gruppe von Reiseleiter Ashok Singh, der die Gruppe zwei Wochen lang hervorragend begleitete, am Flughafen des ersten Zieles abgeholt: Jaipur, eine der bedeutendsten Metropolen Indiens und zudem eine Neugründung auf dem Reißbrett aus dem 18. Jahrhundert, verdeutlicht die Kontraste Indiens wie kaum eine andere Stadt des Subkontinents. Das Stadtzentrum, einheitlich in rosaroter Farbe gestrichen, mit dem berühmten „Palast der Winde“, das Hawa Mahal, ist ebenso wie das von etwa 1720 bis 1738 erbaute Observatorium Jantar Mantar und die in unmittelbarer Nähe gelegene Festung „Amber Fort“ UNESCO Weltkulturerbe, aber Jaipur ist zugleich ein florierendes Wirtschaftszentrum und eine der wohlhabendsten Städte Indiens. Dennoch nicht zu übersehen: Bittere Armut, besonders dramatisch sichtbar durch Familien, die mit ihren kleinen Kindern am Rande vielbefahrener Hauptverkehrsstraßen bei offenem Feuer nächtigen. Der Kontrast zwischen Arm und Reich blieb ein dauerhafter Begleiter auf unserer Reise durch Indien.

Die Aktivitäten der Reisegruppe reichten von der Akklimatisierung beim Erkunden der näheren Umgebung des Hotels, über den Besuch der zahlreichen Sehenswürdigkeiten der Stadt, einer Textil- und einer Schmuckmanufaktur, bis zu einer abendlichen Fahrt zum wunderschön beleuchteten Amber Fort in offenen Jeeps. Zudem konnten sich die Reisenden bereits vom ersten Frühstück an der vielfältigen, von blumigen Aromen bis zu brennender Schärfe reichenden indischen Küche annähern.

Zwei Tage später ging es mit dem Bus weiter zu den beiden anderen Städten des indischen „Goldenen Dreiecks“, zunächst nach Agra und dann einen Tag später nach Delhi einschließlich Neu-Delhi, der pulsierenden Hauptstadt Indiens.  Wegen des vollgepackten Programms und der schwierigen Koordination des Besuchs des von Touristen und Einheimischen überlaufenen Taj Mahals beschränkten wir uns am Sonntag auf einen schönen Wortgottesdienst, den Diakon Johann Weckler und Pater Vijay im Bus mit uns abhielten. 

Neben dem Besuch einer der Werk- und Verkaufsstätten der Steinintarsienkunst stand in Agra natürlich das Roten Fort und auch das unglaublich schöne Taj Mahal auf den Tagesprogrammen der Reisegruppe - beide Stätten des Weltkulturerbes stehen in enger historischer und in direkter Sichtbeziehung. Sie erzählen die traurige Geschichte des Großmoguls Schah Jahan, der seiner bei der Geburt ihres 14. Kindes gestorbenen Lieblingsfrau Mumtaz Mahal das prächtige Mausoleum Taj Mahal errichten ließ, aber von seinem eigenen Sohn entmachtet und im Roten Fort bis zu seinem Tod 8 Jahre in Festungshaft genommen wurde, mit dem Blick auf das Mausoleum seiner geliebten Frau.

Auf der Fahrt durch das offene Land zwischen Jaipur und Delhi auf holprigen Landstraßen und perfekt ausgebauten Autobahnen konnte die Reisegruppe riesige landwirtschaftliche Flächen sehen, die zum Trocknen für die Verwendungszwecke als Brennstoff kilometerlang ausgelegten Kuhfladen, oder Industrie, Steinbrüche und Natursteinhändler sehen, ebenso aber auch eine reichhaltige Natur, insbesondere eine prächtige Vogelwelt, von den allgegenwärtigen Bülbüls bis zum Pfau und der indischen Riesentrappe. Den nächsten Kontrast bildete der Gürtel der Trabantenstädte rings um Delhi, meist mit dem Schwerpunkt auf der IT-Industrie, und dann die Hauptstadt mit ihren riesigen Regierungspalästen. Tief beeindruckt besuchte die Reisegruppe die große, aber sehr bescheidene Gedenkstätte am Ort der Einäscherung non Mahatma Gandhi sowie den großen Tempel der Sikh, in dem täglich für Arm und Reich kostenlose Speisung stattfindet, die von Gläubigen im Wesentlichen in ehrenamtlicher Arbeit zubereitet wird. Und noch am selben Tag ging es per Inlandsflug weiter in den Süden Indiens.

Kochi im Bundesstaat Kerala unterscheidet sich in vielfacher Hinsicht von den bisher besuchten Städten: Die Lage am Arabischen Meer, das tropische Klima, das allgegenwärtige Wasser, aber auch die Bevölkerungsstruktur erwecken den Eindruck, ein völlig anderes Land zu besuchen. In Kerala fallen besonders die vielen Kirchen und Kapellen auf - ein Indiz für den relativ hohen Anteil (18%) an Christen in der Bevölkerung. Dabei fällt auch das harmonische Miteinander der Religionen auf, das seit Jahrhunderten in der Region Tradition hat. Ein weiteres Land und eine Stadt, die einen Besuch wert sind.                                                                       Zunächst verließ die Reisegruppe aber Kochi schon am nächsten Tag - die Bergregion im Osten mit ihren riesigen, gepflegten Teeplantagen stand auf dem Programm. Auf ca. 1500 m über NN gelegen, unterschied sich auch das Hotel sehr von den bisherigen Unterkünften - nicht das kontinuierliche Konzert von Tausenden von Hupen der allgegenwärtigen Tuk Tuks oder Autos, sondern der Gesang der einheimischen Vogelwelt beherrschte die dortigen Übernachtungen. Und mit dem Blick auf die Berglandschaften stellte sich ein völlig neues Gefühl von Indien ein.

Auf dem Programm stand neben dem Besuch einer Teefabrik, einem Heilkräutergarten, einem Abstecher auf eine Teeplantage und einem Elefantenritt auch eine Ayurveda-Massage und eine Bühnenschau verschiedener Kampfsportarten, Feuerspiele und szenischer Tanzdarbietungen in traditionellen Kostümen. Bunt, schrill und laut - aber auch beeindruckende Liebe zum Detail, Körperbeherrschung und interessante Einblicke in die Welt der hinduistischen Epen.   

Nach zwei Nächten in den Bergen ging es zurück nach Kochi. Dort hatten wir die Gelegenheit, an einem Gottesdienst der syro-malabarischen Gemeinde teilzunehmen, die mit der römisch-katholischen Kirche uniert ist. Danach ging es auf ein Hausboot zu einer Bootsfahrt mit Mittagessen in den Kerala Backwaters, einem riesigen Geflecht von Flüssen, Kanälen, Lagunen und dem Meer, zu einem Besuch an Strand mit einem Fußbad im Arabischen Meer und einer Fahrt durch den Hafen von Fort Kochi, überall prägt das Leben am Wasser unübersehbar die Region, und selbst beim Besuch der ursprünglichen Begräbnisstätte von Vasco da Gama, der Franziskanerkirche, oder des jüdischen Viertels ist der Einfluss von Handel und Seefahrt deutlich, aber auch die Kolonialgeschichte. Wie die einfachen Menschen in diesem Land leben, konnten wir in einem Dorf lernen, in dem uns die vielfältigen Nutzungen der Kokospalme - vom Lebensmittel Kokosnuss über die Produktion von Kokosschnaps bis zu Kokosmatten aus Palmblättern oder Seilen aus Kokosfasern demonstriert wurde.

Am nächsten Tag ging es für Inlandsflug zum letzten Ziel unserer Reise: Hyderabad, der Heimat von Pater Vijay. Zwar gab es auch dort viel zu sehen: das Salar Jung Museum, den Basar, das Stadttor Charminar, und diverse Tempelanlagen. Aber im Zentrum unseres dortigen Aufenthalts stand die Begegnung mit den Pater Vijay prägenden Elementen: Seinem Dorf, den Feldern, seiner Familie, seiner Heimatkirche, und der Pfarrer-Bendel-Schule, Church Colony. Von der heiligen Messe am frühen Morgen, bei der Pater Vijay und Diakon Weckler als Konzelebranten mitwirkten, über das große, beeindruckende Schulfest, den Gesprächen mit Familie und Freunden, dem Einkleiden der Damen in traditionellen Saris bis zum Ausklang im Haus der Familie des Paters war dieser Teil der Reise eher von der persönlichen Begegnung geprägt - sehr passend als eigentlicher Ausklang einer ganz besonderen Gruppenreise, in der auch das außergewöhnliche persönliche Miteinander in Harmonie immer im Mittelpunkt stand. Eine wundervolle Reise!

© Text: Leonhard Helm, Fotos: Privat

 

 

 

 

 

 

 

 

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